Sentiero Glaciologico Basòdino – Wanderung zum schmelzenden Gletscher im Tessin | T2/T3
Der Sentiero Glaciologico Basòdino ist keine gewöhnliche Bergwanderung: Acht nummerierte Infotafeln entlang des Weges erzählen, wie Eis, Wasser und Gestein die Landschaft rund um Robiei im hintersten Val Bavona geformt haben – und wie schnell der grösste Gletscher des Tessins gerade schrumpft. Vom Stausee Lago del Zött führt der Weg über eine gewaltige Seitenmoräne fast auf Augenhöhe mit der Gletscherfront, vorbei an einer der längsten Höhlen des Kantons und zurück über die alte Alp Randinascia.
Tourinfos
| 🏁 Route | Robiei → Staumauer Lago del Zött → Sentiero Glaciologico (Punkte 1–8) → Corte di Randinascia → Robiei |
| 📍 Region | Val Bavona, Vallemaggia, Tessin |
| 🥾 Distanz | ca. 9 km |
| 🕔 Dauer | ca. 5–6 Stunden |
| ↕️ Höhenmeter | ↗️ 733 m · ↘️ 733 m |
| ⛰️ Höchster Punkt | 2’430 m (Punkt 4, direkt vor der Gletscherfront) |
| 🚨 Schwierigkeit | T2/T3 – mittel bis anspruchsvoll, Bergwanderausrüstung nötig |
| 🗓️ Beste Jahreszeit | Anfang Juli bis Mitte Oktober |
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Anreise
Robiei liegt im hintersten Val Bavona und ist ausschliesslich mit der Luftseilbahn ab San Carlo erreichbar – einen Fahrweg gibt es nicht. Mit dem öffentlichen Verkehr geht es mit der PostAuto-Linie 333 bis zur Haltestelle „San Carlo, Funivia». Mit dem Auto steht direkt bei der Talstation der Seilbahn ein Parkplatz zur Verfügung.
🚡 Fahrplan Luftseilbahn San Carlo – Robiei
Karte & Detailinfos
- 🗺️ Tourenkarte als PDF
- 📍 GPX-Track herunterladen
- Kartenmaterial: swisstopo, gezeichnet mit SchweizMobil
- 📖 Faktenbasis: offizielle Wanderführer-Broschüre der Sezione forestale, Kanton Tessin (3. Auflage 2024)
Einkehrmöglichkeiten
Tourverlauf
Bergstation Robiei bis Staumauer Lago del Zött
Ab der Bergstation der Seilbahn führt eine asphaltierte Zufahrt durch zwei beleuchtete Tunnel in etwa 15 Minuten zur Staumauer des Lago del Zött auf 1’940 m – Punkt 1 des Sentiero Glaciologico. Die Stauseen von Robiei und Zött gehören zu einer der grössten Wasserkraftketten der Schweiz: Zwischen den höchstgelegenen Becken Cavagnöö und Naret und der Zentrale Verbano am Lago Maggiore liegt ein Gefälle von über 2’100 Metern, das Kraftwerk Robiei allein turbiniert im Schnitt 230 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr.
Moränenwälle und 11’000 Jahre Klimageschichte
Von der Staumauer steigt der Weg auf gerundeten, vom Eis geschliffenen Felsen rund 150 Höhenmeter zu einer Krete an, wo sich der Blick erstmals auf die ganze Region öffnet. Bei Punkt 2 erzählen Moränenwälle vom Klima der letzten 11’000 Jahre – von der Kleinen Eiszeit um 1850, als sich der Basòdino-Gletscher noch bis weit ins Tal vorschob, bis zur heutigen Erwärmung, die seit den 1980er-Jahren etwa doppelt so schnell verläuft wie in den 135 Jahren davor. Bei Punkt 3 wird der Untergrund sichtbar: Der gesamte Sentiero Glaciologico verläuft auf Gneis, durchsetzt von markanten Marmorbändern – Zeugen der alpinen Gebirgsbildung, als sich die afrikanische und die europäische Kontinentalplatte vor rund 40 Millionen Jahren ineinanderschoben.
Punkt 4: Direkt vor der Gletscherfront
Das eigentliche Zentrum der Route ist Punkt 4 auf 2’430 m, unmittelbar vor der Front des Ghiacciaio del Basòdino – mit 1,64 km² der grösste Gletscher des Kantons Tessin. Seit Beginn der systematischen Messungen 1892 hat sich seine Front um insgesamt rund 1’500 Meter zurückgezogen, allein zwischen 1899 und 2023 um 809 Meter. Das Eisvolumen ist seit 1850 um etwa 75 Prozent geschrumpft; 2022 und 2023 verlor der Gletscher an einzelnen Messpunkten über sechs Meter Dicke. Halten diese Werte an, rechnen die Glaziologen des Kantons damit, dass der Basòdino-Gletscher innerhalb von 10 bis 15 Jahren praktisch verschwunden sein wird.
Seitenmoräne, Alpengarten und die Höhle Acqua del Pavone
Der Weg quert danach fast horizontal die grosse, vom Gletscher glattgeschliffene Felsplatte unter der heutigen Gletscherfront – Gebiet, das bis in die 1980er-Jahre noch selbst unter Eis lag – und erreicht bei Punkt 6 die linke Seitenmoräne, im Hochsommer ein blühender Alpengarten aus Steinbrech, Glockenblumen und Silberwurz. Kurz darauf, bei Punkt 7, wechselt der Untergrund abrupt von Gneis zu Marmor: In der Karstzone rund um die Acqua del Pavone öffnet sich eine der längsten Höhlen des Tessins mit rund drei Kilometern erforschten Gängen. Der Riale di Fiorina verschwindet hier im Untergrund und tritt oberhalb des Lago del Zött als eindrücklicher Wasserfall wieder ans Licht – daher der Name, der an ein Pfauenrad erinnern soll.
Corte di Randinascia und Rückweg
Der letzte Abschnitt führt zum Corte di Randinascia, einer alten Alp mit Moorlandschaft: Jahrhundertelang weideten hier Kühe und Schafe, heute wächst zwischen den Tümpeln wieder Wollgras. Von Randinascia führt der Weg zurück zur Konka von Robiei, wo ein rund 20-minütiger, öffentlich zugänglicher Stollen-Rundgang direkt in der Staumauer einen Blick ins Innere des Kraftwerks erlaubt.
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Musik
🎵 „The Arrival» – Evgeny Bardyuzha
🎵 „The Welcome Deep» – The SoundKeeper
Lizenz: artlist.io
Quellen
- 📖 „Il sentiero glaciologico del Basòdino» – Repubblica e Cantone Ticino, Sezione forestale, 3. Auflage 2024
- 🧊 Gletscherdaten: GLAMOS – Swiss Glacier Monitoring Network
- 🌦️ Klimadaten: MeteoSvizzera
- 🗺️ Karte: swisstopo, gezeichnet mit SchweizMobil
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